Deyles Thema ist die reine Farbe, die monochrom und ohne binnenbildliche Form Bildgestalt besitzt. Die vom Künstler eingesetzte Farbe ist das Subjekt seiner Bilder und zugleich im wörtlichen Sinne ihr Gegenstand. Der von ihm gewählte Farbträger Acrylglas wirkt immateriell und intensiviert die Farbpräsenz sowie deren Reinheit. Die Farbe bleibt nicht auf den Bildkörper oder den Bildträger beschränkt, sie strahlt mit suggestiver Kraft in den Raum hinaus um den Betrachter zu berühren. Deyle verwendet extrem verdünnte Farben auf Acrylbasis und verfährt beim Farbauftrag nach einem mathematischen Prinzip, das partiell bis zu 600 Lasuren übereinander lagert. Es entstehen Arbeiten, die gleichermaßen intensiv-fordernd wie subtil und rätselhaft sind.
„Ihre Faszination ist in der Radikalität begründet, mit der sie das Thema Farbe vergegenständlichen und zugleich bis ins Zentrum der Transzendenz und an die erahnbare Grenze zur Metaphysik führen: eine Metaphysik des Raumes aus den Erscheinungen von Farbe und Licht“.
Lothar Romain
Thomas Deyle - Zauberer mit Farbe und Licht
Farbe und Licht bilden das Thema. Farbe wird zum Bildgegenstand. Thomas Deyle hat mit seiner eigentümlichen Maltechnik die Farbfeldmalerei in den vergangenen Jahren
immer weiter entwickelt.
Thomas Deyle wurde 1957 in München geboren. 1978-1984 studierte er Kunsterziehung an der Kunstakademie Stuttgart und erhielt zum Abschluss den Akademiepreis - ein gelungener Auftakt zum Zweitstudium der Freien Malerei
1984-1986 ebenfalls an der dortigen Akademie. Seit 1986 ist er als freischaffender Künstler tätig, ab 1995 in Köln. Auf zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland, davon auch in den USA, waren seine Arbeiten bereits zu sehen und gelangten von dort in viele Sammlungen.
Die sogartige visuelle Wirkung der Bilder hat Deyle kontinuierlich verfeinert. Dazu reicht dem Künstler in der Regel ein einziger Acrylfarbton, den er stark verdünnt und mikroskopisch fein nach einem mathematischen Prinzip auf einer zuvor aufgerauten Acrylplatte mechanisch aufträgt. Die Lasuren werden von außen nach innen allmählich konzentriert. Dabei kommen partiell bis zu 600 oder 1.000 Schichten zusammen, die weder eine schwankende Dichte noch andere Unregelmäßigkeiten aufweisen. Die handwerklich perfekt hergestellten Bilder, die in der Galerie Lausberg, Düsseldorf, ausgestellt sind, hinterlassen einen sphärisch-leichten, transluziden Eindruck. Die unnachahmliche, andeutungsweise transformatorische Kombination von Farbe und Licht weckt nicht nur ein neues Farb- und Raumempfinden; sie wirkt fast schon wie eine Brücke zur Metaphysik und entfaltet ganz im Sinne des Künstlers weitere Assoziationen und Emotionen. Dies wird durch die bedeutungsvollen Serientitel Deyles noch unterstrichen.
In der Galerie Lausberg stammen die monochromatischen Arbeiten aus den Objektgruppen ›Skarabaeus‹ und ›Candela‹. Candela (lateinisch: Wachslicht, Kerze) bezeichnet in der Physik die Lichtstärke in einer bestimmten Richtung einer Strahlungsquelle. Mit den photometrischen Einheiten wird Licht nicht nur nach seiner physikalischen Natur gemessen, sondern auch nach dem Empfinden des menschlichen Sehorgans. Die Hellempfindlichkeit des menschlichen Auges wiederum ist abhängig von der Wellenlänge bzw. der Farbe des Lichts. Hier sind wir wieder mitten im Themenbereich von Deyle - der Verbindung von Farbe, Farbempfinden und Licht. Ähnliches finden wir bei der anderen in Düsseldorf gezeigten Serie ›Skarabaeus‹ (Pillendreher-Käfer): Dem Skarabäus wurden im Laufe der Zeit mannigfaltige Bedeutungen zugewiesen. Er galt in der ägyptischen Mythologie als Symbol des Lebens, des Todes und der Wiedergeburt. Man maß ihm eine göttliche Verehrung zu.
In der glänzenden, Gold schimmernden Farbe der Flügeldecken fand man Ähnlichkeit mit der Farbe des Himmels und dem Glanz der Sonne. Das Licht der Sonne steht wiederum für Erleuchtung durch Offenbarung, die sich mit dem Wasser zu Wissen verbindet.
Nicht umsonst galt der Skarabaeus auch als Symbol der Wissenschaft. Hier
schließt sich wieder der Kreis zur perfektionistischen, berechnenden Arbeitsweise Thomas Deyles. Er hat einen Weg gefunden, die Farbe als Erscheinung des Lichts überzeugend und wirkungsvoll ins Bild zu setzen.
(aus: Kunsttermine 03.05 Franz-Xaver Schlegel)
The central theme of Thomas Deyle work is colour as appearance of light.
Colour as a pure, autonomous feature of painting, an exclusive subject and not simply an elementary prerequisite for it – that is how one may summarise the artistic task which Thomas Deyle has set himself since 1989.
This theme, accompanied by the recognition that absolute colour produces form, has played a prominent part in contemporary painting since as long ago as 1945. During this time it has produced an almost overwhelming variety of expressive forms.
In view of this variety of colour field painting, defined variously as monochrome painting, hard-edge, colour field and radical painting, it is by no means simply for a young artist in the middle of the 90´sto develop a distinct place of his own among the expressive forms already practised.
It is the specific technique, which contributs to the almost desubstantiated aspect of the colour is further heightenedby the impression of spaceevoked by varying transparency in the paint-layers. An effect which makes of Thomas Deyle´spaintings as it were visions of suspended colour. Colour and space, those inherently different material and aesthetic phenomena, are thus brought under the primacy of the paint into a combination resolving itself into an immaterial pictorial vision.
With this principle Thomas Deyle has made a new and startling contribution to a theme which seemed long since exhausted in monochrome painting: the resolution of a painted surface into a seemingly immaterial colour space.